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Osteopathie & Spiritualität: Wissenschaftliche Studien zum Thema
Was sagt die Forschung zur Spiritualität in der Osteopathie, welche klinische Relevanz hat Spiritualität gegenwärtig in der Osteopathie und welche sollte sie künftig haben?
Diesen Fragen ist RIO mit einer weiteren Studienübersicht nachgegangen, als thematische Vorbereitung für den Mitte Juni in München geplanten Fachkongress. Die neue Übersicht fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen, von den historischen Wurzeln über Praktiker-Perspektiven bis hin zu neurowissenschaftlichen Brücken.
Acht Studien wurden hierfür zusammengetragen:
- Eine Studie aus 2019 von Zegarra-Parodi et al über “Das Paradigma von Körper, Geist und Seele als Erbe der amerikanischen Ureinwohner in den Prinzipien und Praktiken der Osteopathie”
- Eine Arbeit von Zegarra-Parodi et al aus 2021 über “Das Erbe und die Auswirkungen des osteopathischen Grundsatzes von Körper, Geist und Seele: Ein Diskussionspapier zur Bewertung seiner klinischen Relevanz”
- Eine phänomenologische Studie von Bacon und Roe aus 2018 zur “Untersuchung der Wahrnehmung von Praktikern hinsichtlich der Rolle der Spiritualität in der osteopathischen Praxis unter Verwendung der interpretativen phänomenologischen Analyse”
- Eine australische Masterthesis von Sally Huggett aus 2004 über die Sichtweisen von Praktikern zur Spiritualität und Osteopathie
- Eine prospektive Studie aus 2025 von Lunghi, Zegarra-Parodi et al über “Indigene epistemologische Rahmenkonzepte und evidenzbasierte Ansätze zu Bewusstsein und Körperwahrnehmung in der osteopathischen Versorgung”
- Eine schwedische Studie von Nima et al aus 2015 über die “Personenzentrierte osteopathische Praxis: Die Persönlichkeit der Patienten (Körper, Geist und Seele) und ihre Gesundheit (Unwohlsein und Wohlbefinden)”
- Eine Studie von Newhardt et al aus 2025 über “Künstliche Intelligenz und Osteopathie: Die Bewahrung einer patientenorientierten Versorgung im Zeitalter des technologischen Fortschritts”
- Eine Studie von Cerritelli, Esteves et al aus 2021 über “Osteopathie und psychische Gesundheit: Ein körperorientierter, prädiktiver und interozeptiver Ansatz”
Unser Fazit der Studienübersicht:
Die Forschung offenbart eine produktive Spannung: Auf der einen Seite steht die spirituelle Ursprungsvision Stills, auf der anderen der Druck zur rein evidenzbasierten Ausrichtung.
Der aktuelle Konsens in der Literatur lautet: Beide Pole lassen sich verbinden - über Neurowissenschaft, Predictive Processing und kulturelle Sensibilität.
Für die osteopathische Praxis bedeutet das: Spiritualität muss nicht als esoterisches Anhängsel behandelt werden. Sie ist - wenn klinisch operationalisiert - ein evidenzbasierter Faktor für Sinnerleben, Resilienz, therapeutische Allianz und Behandlungsergebnisse. Die Spiritualitätsanamnese gehört zur ganzheitlichen Patientenversorgung.
Gleichzeitig zeigt der Forschungsstand deutlich, wo noch Entwicklungsbedarf besteht: Klinisch validierte Definitionen des Körper-Geist-Seele-Prinzips fehlen ebenso wie systematische Ausbildungsinhalte für Spiritual Care. Zudem sind quantitative Studien zur spirituellen Dimension in der Osteopathie noch selten, und die wachsende kulturelle Vielfalt der Patientenschaft erfordert flexible, nicht konfessionell gebundene Modelle der spirituellen Begleitung.
Die RIO-Studienübersicht mit kurzer Beschreibung der einzelnen Studien ist als PDF-Dokument erhältlich und kann per E-Mail (info@rio-osteopathie.de) kostenlos angefordert werden.

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